Bestimmung der unreifen Thrombozytenfraktion (IPF)

Im Zuge der Modernisierung unserer hämatologischen Analyseautomaten erweitern wir unser Untersuchungsspektrum. Ab sofort können wir Ihnen – bei entsprechender Indikation – die Bestimmung der unreifen Thrombozytenfraktion (IPF, Immature Platelet Fraction) anbieten.
Die IPF stellt einen wertvollen Zusatzparameter bei der Abklärung von Thrombozytopenien dar und ermöglicht eine raschere Differenzierung der zugrunde liegenden Pathophysiologie – ohne zusätzliche Blutabnahme.

Was ist die IPF?

Die IPF beschreibt den Anteil unreifer (junger) Thrombozyten im peripheren Blut. Diese frisch aus dem Knochenmark freigesetzten Thrombozyten enthalten noch Rest-RNA und können daher mittels fluoreszenzbasierter Messverfahren zuverlässig erfasst werden.

Welche diagnostische Bedeutung hat die IPF?

Die IPF unterstützt insbesondere die Differenzierung zwischen peripherem Thrombozytenverbrauch und verminderter Thrombozytenproduktion:

    1. Peripherer Thrombozytenverbrauch
      (z. B. Immunthrombozytopenie (ITP), Blutungen,Verbrauchskoagulopathie) → IPF meist erhöht(kompensatorisch gesteigerte Neubildung im Knochenmark)
    2. Verminderte Thrombozytenproduktion im Knochenmark (z. B. Knochenmarkinsuffizienz, aplastische Anämie, Zytostatikatherapie) → IPF meist erniedrigt oder normal

Die IPF stellt somit einen hilfreichen ergänzenden Laborparameter zur klinischen und laborchemischen Gesamteinschätzung dar.

Die Bestimmung der IPF kann:

  • eine schnellere Eingrenzung der Ursache einer Thrombozytopenie ermöglichen
  • Verlaufskontrollen unterstützen
  • bei der Einschätzung der Notwendigkeit weiterführender Diagnostik (z. B. Knochenmarkuntersuchung) helfen
  • eine rasche Differenzierung zwischen Destruktion und Produktionsstörung erlauben
  • insbesondere bei akuten Thrombozytopenien hilfreich sein
  • Therapieentscheidungen, z. B. bei ITP oder Sepsis unterstützen
  • ohne zusätzliche Blutabnahme durchgeführt werden
  • als Biomarker bei systemischer Inflammation und Sepsis eingesetzt werden

Interpretation der IPF-Werte

IPF-Wert
Bedeutung
Mögliche Ursache
Erhöht
Das Knochenmark produziert vermehrt neue Thrombozyten.
Periphere Thrombozytenstörung z.B. ITP, Immun-prozesse, Blutverlust, Verbrauch (DIC), Sepsis.
Niedrig/Normal
Die Thrombozytenproduktion ist vermindert oder gestört.
Knochenmarkkrankungen, Aplasie, Myelodysplasie, Vitamin B12/ Folsäurenmangel
  • Referenzbereich: Der Referenzbereich liegt in der Regel bei ca. 1 – 7 % (labor- und geräteabhängig).

Probenmaterial

Für die Bestimmung der IPF wird keine zusätzliche Probe benötigt.

  • Material: EDTA-Blut
  • Untersuchung: aus derselben Probe wie das kleine Blutbild
  • Nachforderung: 1d

Bei Rückfragen stehen wir Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.

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Ansprechpartner

Dr. rer. nat. Tobias Dräger